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Der IWF befindet sich in einer Sackgasse. Im vorliegenden Papier wird die
Rolle des IWF beschrieben und kritisch hinterfragt, um vor diesem Hintergrund
die verschiedenen Aspekte der aktuellen und akuten Krise im Detail zu erläutern.
Seit der Gründung des Internationalen Währungsfonds hat dieser
sein Aufgabengebiet sukzessive ausgebaut, sich dabei immer weiter von seinem
ursprünglichen Kernmandat entfernt. Im Zuge dieser Entwicklung hat
er in den zumeist armen Schuldnerländern höchst umstrittene Reformprogramme
durchgesetzt.
Kürzlich haben nun einige Entwicklungsländer ihre Kredite frühzeitig
an den Fonds zurückgezahlt und damit ein Zeichen gesetzt, nämlich
dass sie sich unabhängig machen wollen von den Vorgaben, die ihnen
der IWF aufzwingt. Für den IWF bedeutet dies, dass er sich aktuell
in einer Krise befindet, die zumindest drei Aspekte hat:
1. Wenn der Fonds keine Kredite mehr vergibt, fehlen ihm hieraus die Einnahmen,
mit denen er seine laufenden Ausgaben finanziert;
2. Die inhaltliche Kritik am IWF und das fehlende Mandat für einen
Großteil seiner aktuellen Tätigkeit werfen die Frage nach der
Legitimation der Arbeit des IWF auf; und schließlich
3. Die wirtschaftlichen Machtverhältnisse zwischen den Mitgliedsländern
des IWF haben sich durch Länder wie China, Indien und Brasilien maßgeblich
verändert. Ohne eine stärkere Einbindung dieser Länder droht
dem Fonds die Bedeutungslosigkeit.
Es mangelt nicht an Vorschlägen zur Reform des Internationalen Währungsfonds, wobei der wesentliche Kern eine Demokratisierung der Struktur und eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung der Institution ist. Dies kann nicht allein durch kleine Veränderungen der Stimmreche ("Quoten") erreicht werden, sondern es braucht ein System doppelter Mehrheiten, bei dem Nord und Süd, Schuldner und Gläubigerländer gleichermaßen zum Zuge kommen. Weiterhin ist eine genaue Festlegung und Beschränkung des IWF-Mandats unumgänglich, wobei sich der Fonds insbesondere aus der Entwicklungshilfefinanzierung und aus dem Schuldenmanagement zurückziehen und das Bail-Out der privaten Gläubiger und Investoren beenden muss. Er sollte sich statt dessen endlich wieder darauf konzentrieren, die Vorraussetzungen für ein stabiles Finanz- und Währungssystem zu schaffen.
Um dieses "neue" Mandat effektiv ausüben zu können,
sind grundlegende institutionelle Neuerungen notwendig. Würde man den
IWF nach dem Modell der Clearing Union von John M. Keynes umbauen, hätte
man eine wichtige Vorraussetzung dafür geschaffen, sowohl Gläubiger-
als auch Schuldnerländer sanktionieren zu können. Nur so könnte
man alle Länder verpflichten, ihren Beitrag zu weltwirtschaftlichen
Gleichgewichten zu leisten.
Zur Stabilität eines solchen Gleichgewichts im Finanz- und Währungssystem
können die Einführung einer Devisentransaktionssteuer und eine
verbesserte Koordination der Währungspolitik mit Hilfe der Vorgabe
von sog. Zielzonen beitragen.
In die Diskussion um diese Neuausrichtung greifen auch NGOs und Netzwerke internationaler Bewegungen aktiv ein.