Die entwicklungspolitische Diskussion der letzten fünfzig Jahre war und ist in offiziellen wie auch in zivilgesellschaftlichen Kreisen stark von der Annahme geprägt, dass die Länder des Südens auf ausländisches Kapital angewiesen seien, um "sich zu entwickeln".
Die Finanz- und Schuldenkrisen in den vergangenen Jahren haben aber wieder einmal gezeigt, dass internationale Kapitalbewegungen nicht selten verheerende wirtschaftliche und soziale Folgen für Entwicklungs- und Schwellenländer haben können. Eine grundsätzliche Infragestellung des Dogmas "Entwicklung im Süden braucht Kapital aus dem Norden" hat es indes nicht gegeben.
Statt dessen machen sich viele die sehr verkürzende Sichtweise zu Eigen, man müsse nur zwischen "guten" langfristigen Kapitalbewegungen für Investitionen und "schlechten" kurzfristigen Kapitalzuflüssen, die nur zur Spekulation dienten, unterscheiden.
Damit wird man zum Einen den Auswirkungen von Kapitalbewegungen nicht gerecht, aber vor allem bleibt die Frage unbeantwortet, ob Kapitalzuflüsse in den Süden überhaupt gebraucht werden bzw. ob es entwicklungsförderliches "gutes Kapital für den Süden" überhaupt geben kann und welche Bedingungen dazu erfüllt sein müssen.