"Kohärenz" ist ein neues Schlagwort in der entwicklungspolitischen
Debatte. Es meint, dass entwicklungspolitische Ziele und die Mittel zu ihrer
Erreichung aufeinander abgestimmt sind und dass entwicklungspolitische Ziele
mit den Zielen anderer Politikfelder in Einklang gebracht werden, diese
also "stimmig" sind. Genau das ist aber in Bezug auf die internationale
Handels- und Finanzpolitik heute sehr oft nicht der Fall. Ein Beispiel:
Erzwungene Marktöffnung im Süden hat oft die Importe der Entwicklungsländer
explodieren lassen, der fortgesetzte Protektionismus im Norden erschwert
ihnen gleichzeitig die Exporte, die Folgen sind Handelsbilanzdefizite. Angesichts
solcher Defizite kann der Süden aber keine Schulden zurückbezahlen
oder kaum die Gewinne für ausländische Investoren zurück
überweisen, beides aber ist erklärtes Ziel der offiziellen der
Entwicklungs- und Finanzpolitik.
Als gemeinsame Veranstaltung von BLUE 21 und der AGs Finanzmärkte und
Welthandel/WTO von Attac-Deutschland versucht der Workshop die ansonsten
meist separat bearbeiteten Themen Handel und Finanzen zusammenzudenken.
Ein entwicklungspolitisch solidarisches und politisch und ökonomisch
kohärentes Zusammendenken der beiden Bereiche ist aber die Grundlage,
wenn die Chancen für Entwicklung verbessert werden sollen.
Der Workshop versucht zunächst, grundlegende Anforderungen an ein solidarisches
und ökonomisch stimmiges Weltwirtschaftssystem darzustellen. Im nächsten
Schritt wird der von John Maynard Keynes 1944 gemachte Vorschlag einer internationalen
Nachkriegswirtschaftsordnung vorgestellt (Internationale Clearing Union,
Bancor etc.), um davon ausgehend Elemente einer entwicklungspolitisch kohärenteren
internationalen Handels- und Finanzpolitik zu entwickeln.